Der Wille des Chefs (!)

Der Wille des Chefs (!)

Er ist ein äusserst mittelmässiger Städter wie viele andere auch. Nichts besonderes, obwohl seine Werbeagentur, die er mit einem Schulfreund gegründet hatte, in der Zwischenzeit genügend Profit abwirft, um bequem leben zu können. Bequem heisst, er kann es sich leisten, jeweils nach Feierabend ein Bier in einer Bar zu trinken und Rockmusik zu hören. Mittelmässig übrigens auch, dass seine Ehe nach kurzen Jahren aus Langeweile auseinanderbrach. Dieser Städter also erhält eines Tages aus dem Dunstkreis der mächtigen japanischen Mafia den Auftrag aufgezwungen, das (!) Schaf zu finden. Irgendwo in den Bergen von Hokkaido, und dazu hat er gerade mal einen Monat Zeit.

Zu meinem mittelmässigen Leben in der Winterzeit gehört, dass ich gerne Bücher lese, die von Schafen erzählen, egal ob Sachbuch oder Roman. Haruki Murakamis Roman „Die wilde Schafsjagd“ lese ich nun schon zum dritten Mal. Mit eisiger Stimme erklärt der mafiöse Auftragsgeber, dass der Wille des Chefs im Kern das (!) Schaf sei. Wie führt denn Murakami Mafia, Chef und Schaf, Jagd, Wille und Mittelmässigkeit zusammen, frage ich mich auf dem Couch liegend? Meine Gedanken schweifen dabei immer wieder zu einem meiner eigenen Schafe, das sich schon fast unheimlich wie das (!) Schaf verhält. Ich jage der Antwort hinterher  und tauche ab in Murakamis Welt, wo sich die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Surrealität merkwürdig vermischen. Der mittelmässige Städter, der als Ich Erzähler keinen Namen hat, findet das (!) Schaf natürlich nicht, und ich werde Murakamis Buch wohl ein viertes Mal lesen müssen.

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