Von den Sprayern lernen

Von den Sprayern lernen

Es ist meist illegal, und doch zieht es die Sprayer immer wieder zu den Wänden und Mauern, wo sie in einer Nacht- und Nebelaktion farbige Graffitis auf „ihre“ Flächen malen. Was können denn die urbanen Schäferinnen und Schäfer von der Sprayerszene lernen?

Es ist wohl nicht einfach, eine geeignete Fläche zu finden. Auch wenn die Stadt viele Wände und Mauern hat, bietet nur ein kleiner Teil die gute Visibilität und die Sicherheit des ungestörten Sprühens. Das Auge des Sprayers muss geübt sein, der Blick geschärft. Und das ist auch, was die Stadtschnuggenszene von den Sprayern lernen kann: den scharfen Blick für geeignete Grünflächen zu gewinnen.

Der Frühling ist da. Das saftig grüne Gras und der gelber Löwenzahn auf jeder noch so kleinen Fläche zwischen Veloweg und Maschenzaun ist nicht zu übersehen, falls das Auge danach sucht. Wächst hier Futter für die Schafe? Gibt es genügend Platz für weidende Schafe?  Nicht jedes Fleckchen eignet sich, aber mit Geduld und scheinbar planlosem Herumschweifen im städtischen Raum findet das Auge schlussendlich die Wiese, wonach es sucht.  Diese Art des Suchens hat die Situationistische Internationale (S.I.) in den 60er Jahren zur Meisterschaft gebracht. „Dérive“ nannten sie die Technik und es sind heute nicht nur die Sprayer, die sich ihrer bedienen, sondern auch Stadtplaner, Architektinnen, Kunstschaffende und all diejenigen, die Schafe in die Stadt bringen wollen.

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