Hürden auf dem Weg zur Alp

Hürden auf dem Weg zur Alp

Am vergangenen Wochenende sind wohl zigtausend Schafe auf die grünenden Alpweiden aufgestiegen. In den Koppeln unterhalb der Waldgrenze steht das Gras genügend hoch. Hier dürfen sich die Auen mit ihren Lämmern erst einmal verschnaufen. Woche um Woche geht es dann bis in die steilsten Hänge hinauf, wo jetzt noch der Schnee liegt. Was für uns Menschen als nur mit Mut zu überwindende Hürden erscheint, meistern Schafe ohne Mühe. Ihre Klauen halten sie sicher auf den kleinsten Absätzen von Felskanten und Geröll – vorausgesetzt natürlich, dass sie gesund sind. Die Hürden der Schafe liegen eigentlich nicht am Berg sondern im Tal.

In den Ställen, wo die Schafe durch den Winter gefüttert werden, kann sich in feuchten Böden und bei ungenügender Klauenpflege eine schmerzhafte, eitrige Entzündung entwickeln – die Moderhinke. Die gefürchteten Erreger sind hochansteckend. Schafe, die noch keine Symptome zeigen, können trotzdem Träger der Erreger sein. Auf einer Alp, wo sich die Schafe aus unterschiedlichen Ställen vermischen, ist es also durchaus möglich, dass sich Tiere aus gesunden und Moderhinke sanierten Ställen wieder anstecken. Damit dieses Risiko klein bleibt, muss jedes Lamm und jedes Schaf ganz am Anfang des Aufstiegs die erste Hürde meistern: einen engen Schlupf mit Fussbad, das eine desinfizierende Lösung enthält.

Es braucht etwas Mut, aber wenn das erfahrene Leitschaf durch das Bad stolpert, folgen ihm auch die jüngsten Lämmer. Die Hürde ist durchaus auch amtlich erwünscht und manchmal gefordert. Sie kann sogar als Hürde angesehen werden, die sich aus dem Beziehungsgefüge von Stadt und Land erhebt. Seit Anfangs dieses Jahres sammelt zum Beispiel der Schweizer Tierschutz Unterschriften für die Petition „Alpschafe“, wo unter anderem die Moderhinkesanierung gefordert wird.

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