Den Pachtzins mit Kunst bezahlen

Den Pachtzins mit Kunst bezahlen

Wer meint, der Gang zu einem Amt sei eine reizlose Sache, der wird im Städtchen Aarau eines Besseren belehrt. Das Bauwerk seines Rathauses hat eine Geschichte, die weit ins Mittelalter reicht, und ist seit gut fünfhundert Jahren Sitz der Stadtverwaltung. Die schmucke Fassade mit dem barocken Treppengiebel und der grossen Uhr grüsst weit in die Rathausgasse hinein. Vor wenigen Jahren wurde das Innere saniert.

Wer also wissen will, ob Schafe auf das Festgelände Schachen getrieben werden dürfen (siehe Beitrag vom 7.12.2015), muss zum Rathaus gehen und nach dem Büro der Ortsbürgergemeinde fragen. Sie ist die Besitzerin des Schachen.

Und eben, auch drinnen fand mein Gang zum Amt seinen überraschenden Reiz. Eigentlich war es gar kein Gang zum Amt, sondern quasi ein Besuch eines modernen Kunsthauses. Statt einer engen Schalterhalle empfing mich ein helles, grosszügiges Foyer. Grosszügig und freundlich war auch die Auskunft der Reception, dass ich doch direkt zur Ortsbürgergutsverwaltung im dritten Stock gehen solle. Der Museumsshop fehlte natürlich, aber nicht die Kunstwerke, die an den weissen Wänden des lichtdurchfluteten Treppenhauses hingen. Fotos von Landschaften, zum Beispiel, und ganz besonders schön ein Bild einer einfachen Arbeiterfrau, die an einem Desk sitzt und dem Betrachter den Rücken kehrend in zwei riesige Aquarien schaut. Die chinesischen Schriftzüge im Bild lassen spekulieren, dass es sich um eine nächtliche Szene im Shanghai Ocean Aquarium handeln könnte.

Nun, die Ortsbürgergutsverwaltung vergibt keine Bewilligung für eine Schafweide im Schachen, denn das Gelände sei an die Familie Knörr verpachtet, die auch den Binzenhof der Ortsbürgergemeinde in Pacht bewirtschafte.

Wie auch schon im kantonalen Landwirtschaftsamt zeichnet sich ein deutliches Bild ab: weder Stadt noch Kanton haben auf die Schnelle freie Weideflächen zur Verfügung. Diese Antwort mag zwar ernüchternd sein, doch hinsichtlich einer anderen Sache vermochte der Gang zum Amt durchaus optimistisch stimmen. Die Ortsbürgergutsverwaltung freute sich nämlich über die Idee eines „urban farming“ Projektes mit Schafen. Sobald wir Weid’ und Stall hätten, sollten wir uns doch unbedingt melden. Dies werden wir tun, und wenn dann unter uns Stadtschnuggen eine Kunst schaffende Hand dazugehört, hoffen wir, den jährlichen Pachtzins mit einem Bild bezahlen zu dürfen.

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